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Medizintechnik als Zukunftsfeld: Veranstaltung an der TU Chemnitz bringt Wissenschaft, Klinik und Industrie zusammen

Wie gelingt es, wissenschaftliche Erkenntnisse schneller in marktfähige Lösungen zu überführen – und welche Rolle spielen Unternehmen dabei? Diese Fragen standen im Mittelpunkt einer Medizintechnik-Veranstaltung an der Technischen Universität Chemnitz, die gemeinsam vom Industrieverein Sachsen 1828 e.V. und der IHK Chemnitz organisiert wurde. Vertreterinnen und Vertreter aus Wirtschaft, Wissenschaft, Klinikum und Transfernetzwerken diskutierten über Chancen der Medizintechnik für Südwestsachsen und stellten aktuelle Forschungs- und Entwicklungsprojekte vor.

Der Abend machte deutlich: Medizintechnik ist nicht nur ein zentrales Zukunftsfeld für die Gesundheitsversorgung, sondern auch ein bedeutender Treiber für industrielle Wertschöpfung. Gerade in Südwestsachsen treffen dafür wichtige Kompetenzen zusammen – etwa aus Maschinenbau, Mikroelektronik, Materialwissenschaften, Datenanalyse sowie aus der klinischen Praxis.

Im ersten Teil der Veranstaltung wurde die Perspektive der Unternehmen beleuchtet. Benjamin Stephan, Entwicklungsleiter der imk Health Intelligence GmbH, sprach über die Herausforderungen auf dem Weg von der Forschung zum marktreifen Produkt. Innovationen scheiterten häufig nicht an Ideen, sondern an der sogenannten „Valley of Death“-Phase zwischen geförderter Forschung und wirtschaftlicher Umsetzung. Entscheidend seien deshalb frühzeitig gedachte Strategien für Zulassung, Vertrieb und Marktzugang.

Im anschließenden Block aus Wissenschaft und Klinik stellten die Prorektorin der Technischen Universität Chemnitz, Prof. Dr. Anja Strobel und der Geschäftsführer des Klinikums Chemnitz gGmbH, Martin Jonas, die Initiative C:HUB Health Cluster Südwestsachsen vor. Ziel dieser gemeinsamen Initiative ist es, Forschung, medizinische Versorgung und industrielle Umsetzung enger miteinander zu verknüpfen. Klinische Bedarfe, wissenschaftliche Kompetenzen und unternehmerische Entwicklung sollen so stärker zusammengeführt werden, um Innovationen schneller in Anwendungen zu überführen.

In mehreren Kurzimpulsen stellten Forschende der Technischen Universität Chemnitz gemeinsam mit Partnern aus Klinikum und Forschungseinrichtungen aktuelle Projekte aus der Medizintechnik vor. Die Beiträge reichten von mikro- und nanotechnologischen Ansätzen über KI-basierte Analyseverfahren bis hin zu neuen diagnostischen Methoden.

Vorgestellt wurden unter anderem folgende Projekte:

  • Dr. Oliver G. Schmidt, wissenschaftlicher Leiter des Forschungszentrums MAIN (TU Chemnitz), präsentierte das Leuchtturmprojekt „Künstliches Immunsystem“, bei dem mikro- und nanotechnologische Systeme entwickelt werden, die künftig Diagnostik und Therapie im menschlichen Körper unterstützen könnten.
  • PD Dr. med. Ronny Grunert vom Fraunhofer IWU Zittau stellte das Leuchtturmprojekt „Spatial Computing“ Dabei werden Datenbrillen im Operationssaal eingesetzt, um chirurgische Eingriffe präziser zu unterstützen und neue Anwendungsfelder für Unternehmen zu erschließen.
  • Andreas Morschhauser vom Zentrum für Mikro- und Nanotechnologien der TU Chemnitz und Fraunhofer ENAS präsentierte das Projekt „Die Krankheit mit 1000 Gesichtern – Porphyrie zuverlässig detektieren“, das neue diagnostische Verfahren für seltene Erkrankungen entwickelt.
  • Dr. med. Matthias Kirsch und Dr. med. Julia Steinhardt (Klinikum Chemnitz) sowie Prof. Fréderic Marin (TU Chemnitz) stellten das Projekt „Motion IQ – KI-gestützte Bewegungsanalyse“ vor, das neue Möglichkeiten für Diagnostik, Therapieplanung und Rehabilitation eröffnet.
  • Julia Hann vom Zentrum für Mikro- und Nanotechnologien der TU Chemnitz präsentierte das Projekt „Programmierbare Nanostrukturen für die Diagnostik – DNA-Origami für die nächste Generation von Biosensoren“.
  • Robert Magerle, Leiter der Professur für Chemische Physik an der TU Chemnitz, stellte das Projekt „INSTANT – Auf dem Weg zur Früherkennung mit Rasterkraftmikroskopie“ vor, das nanomechanische Eigenschaften von Gewebe für neue diagnostische Verfahren nutzt.
  • Dr. Dietrich R. T. Zahn, Leiter der Professur für Halbleiterphysik der TU Chemnitz, präsentierte Forschung zur Nanospektroskopie, mit der chemische Strukturen im Nanometerbereich analysiert werden können.
  • Udo Eckert, Gruppenleiter Mikrosystemfertigung am Fraunhofer IWU Chemnitz und Bündnisleitung WIR! DIANA, stellte neue Mikrofertigungstechnologien für Point-of-Care-Diagnostik und regionale Innovationsnetzwerke zur Entwicklung marktfähiger Lösungen vor.

Die Veranstaltung verdeutlichte, dass Südwestsachsen über eine starke Kombination aus leistungsfähiger Forschungslandschaft, klinischer Expertise und industrieller Kompetenz verfügt. Diese Voraussetzungen bieten große Chancen, Medizintechnik als Wachstumsfeld weiter auszubauen und neue Wertschöpfung in der Region zu generieren.

Im Anschluss an das Programm nutzten die rund 100 Teilnehmenden die Gelegenheit zum Austausch und zur Vernetzung. Die Veranstalter dankten allen Referentinnen und Referenten sowie der Freundesgesellschaft der TU Chemnitz für die Unterstützung der Veranstaltung. Ziel ist es, den Dialog zwischen Wissenschaft, Medizin und Wirtschaft weiter zu vertiefen und gemeinsame Transferformate künftig fortzuführen.

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